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Der Bitcoin (BTC) ist die derzeit populärste Kryptowährung. Eine Kryptowährung ist eine digitale Währung, die auf Verschlüsselungstechnik basiert. Den Anstoß zur Entwicklung von Kryptowährungen lieferten Unbehagen an und Kritik der herkömmlichen Geldtypen (vgl. Degens 2012; zur Kritik an Teilen dieser Kritik vgl. Altvater 2011). So garantiert in Kryptowährungen nicht ein Staat und in letzter Instanz dessen Gewaltapparate das Vertrauen, sondern die Naturgesetzlichkeit der mathematischen Gesetze, die in der Kryptographie zum Einsatz kommen. Der dem Bitcoin zugrunde liegende kryptographische Algorithmus wurde 2009 in einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht (Nakamoto 2008, 2009), seine Architektur und die Quellcodes der wichtigsten Clients[1] (Wallets: Geldbeutel-Programme, dazu mehr in Teil II) sind Open Source, d.h. alle mit entsprechendem Know-How können die Umsetzung des Algorithmus auf Fehler prüfen und verbessern (vgl. Nuss 2006).

Der Bitcoin verbindet minimale Transaktionskosten mit maximaler Sicherheit und Geschwindigkeit von Transaktionen im Internet. Transaktionen sind pseudynom, mit technischem Aufwand lassen sich Transaktionen anonymisieren (vgl. Ober, Katzenbeisser und Hamacher 2013). Damit erweisen sich Bitcointransaktionen und -vermögen als schwer bis gar nicht besteuerbar und als neuer „Goldstandard“ auf diversen grauen und schwarzen Märkten (vgl. etwa zu „Silkroad“, einem solchen Marktplatz: Hout, Claire und Bingham 2014) im sog. Darknet (vgl. Möser, Böhme und Breuker 2013). Es gibt Online-Börsen[2], wo Krypto-Währungen und „richtige“ (Stützle 2013; Euskirchen 2013), d.h. klassische zentralbankbasierte Währungen (sog. Fiat-Währungen[3]) getauscht werden können. Mehr und mehr noch meist kleinere Dienstleister, Händler und Produzenten bieten ihre Waren u.a. gegen Bitcoin an.[4]

Währung ohne Zentralbank

Für Bitcoin gilt eine begrenzte Geldmenge, jeder einzelne Bitcoin ist beliebig oft teilbar. Bis zum Erreichen der Gesamtgeldmenge werden frisch „geschürfte“ Bitcoins nach dem Zufallsprinzip ausgeschüttet an die Betreiber der Rechner („Miner“), die Bitcointransaktionen zu Prüfungszwecken gegenrechnen und damit deren Korrektheit absichern. So kommt das Bitcoinsystem ohne eine geldschöpfende Zentralinstanz (Zentralbank) aus und unterscheidet sich an dieser Stelle grundsätzlich von den zentralbankbasierten Fiat-Währungen. Geldpolitisch finanzierter Keynesianimus wäre mangels politisch steuerbarer Zentralbank in einem Bitcoin-Kosmos nicht möglich. Damit entspricht der Bitcoin weitgehend den geldtheoretischen Vorstellungen der ultra-neoliberalen Wiener Schule (vgl. Šurda 2012). Ein praktisches Problem besteht derzeit in der hohen Volatilität des Bitcoinkurses, d.h. in seinem stark schwankenden Preis in den populären Fiat-Währungen. Eine Ausweitung der Spekulation auf diese Währungsschwankungen wird jedoch in ihrem kollektiven mittelfristigen Effekt zu einer Stabilisierung des Kurses führen. Mit einem steigenden Anteil von Bitcointransaktionen am gesamten online abgewickelten Handel wird eine tendenziell steigende Grundtendenz des Bitcoinkurses einhergehen. Derzeit bewegt sich dieser in einem dreistelligen Bereich zum US-Dollar.[5] Konservative Berechnungen gehen von einem fünfstelligen Bitcoinkurs (in US-Dollar) in einigen Jahren aus, wenn ca. 40% des Welthandels in Bitcoin abgewickelt werden. Interessant ist die Tatsache, dass die Spekulationsrate (d.h. das Verhältnis zwischen dem Gesamtumfang von Bitcoin-Transaktionen und dem Gesamtumfang von Spekulationsgeschäften zwischen Bitcoin und US-Dollar) über die Jahre stabil auf etwa gleichem Niveau geblieben ist – bei aller Kursvolatilität und bei in der Tendenz steigendem Bitcoinkurs (vgl. Abb. 1).

Abb. 1 Spekulationsrate (blau) und Bitcoinkurs (rosa) in US-Dollar

Abb. 1 Spekulationsrate (blau) und Bitcoinkurs (rosa) in US-Dollar

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Trend der Spekulationsrate von der Blase Anfang 2014 mehr oder weniger unberührt blieb. David Perry, der „Erfinder“ der Bitcoin-Spekulationsrate zieht folgendes Fazit:

„The Bitcoin economy, at least the non-speculative bits of it, didn’t appear to grow at all. Equally interesting, the long slow run-up to $11 we’ve seen in recent days has in fact been accompanied by a slow and steady increase of that same ratio, suggesting that the non-speculative economy has actually grown at a commensurate pace with price and that the current price may well be perfectly reasonable.“ (Perry 2012)

Die Voraussetzungen für eine weitere Verbreitung[6] oder gar die Durchsetzung des Bitcoin für relevante Teile der über das Internet abgewickelten Finanztransaktionen sind objektiv wie subjektiv gegeben. Die Diskussionen sind lebendig.[7] Aufgrund seiner Eigenschaften ist der Bitcoin die angemessene Geldform dessen, was viele als soundsovielte Produktivkraftrevolution ansehen, der fortschreitenden digitalen Durchdringung aller Lebensbereiche. „Bitcoin is the Napster of Finance“ macht als populäres Diktum die Runde. Die (neoliberale) Subjektivierung drängt zum Bitcoin: Er ist billiger als alle bisherigen Bezahlformen, fast anonym und schnell. Das Kapital ist gespalten, bestimmten Kapitalfraktionen verschafft Kryptogeld Vorteile, andere werden überflüssig. Einzelkapitale verschaffen sich derzeit Extraprofite, indem sie Bitcoin menüerweiternd unterstützen (z.B. Fidor-Bank). Auch die Staaten verhalten sich uneinheitlich[8]: In Deutschland ist der Bitcoin über das Steuerrecht anerkannt und wird wie Gold behandelt (vgl. Schäffler 2013). In China wird er nach anfänglichen Liberalisierungstendenzen jetzt wieder eher wegreguliert, die offizielle Begründung lautet Kundenschutz bzw. Schutz der eigenen Bürger und Bürgerinnen vor einem gefährlichen Spekulationsterrain. Aber vielleicht steckt hinter dem chinesischen Hin und Her mehr. Denn für staatsinterventionistische bzw. regulatorisch orientierte Politikansätze stellt der Bitcoin eine Provokation, wenn nicht eine Gefahr dar (vgl. Doguet 2013). Vor dem Hintergrund der spätestens seit Ende des Zweiten Weltkriegs herrschenden US-Dollar-dominierten Weltfinanzverfassung wird er jedoch als Instrument für Linke interessant, die Transformationsstrategien jenseits staatlicher Regulierung suchen.

Zentralbankimperialismus und Dollardominanz

Derzeit kontrollieren Staaten oder Staatenbündnissen mit starker Währung (Euro) oder gar mit einer Währung, die de facto Weltleitwährungscharakter (US-Dollar) hat, die globalen Ressourcenflüsse. Die wechselnden Führungen der USA können Leistungsbilanz- und Haushaltsdefizite bewältigen, indem sie Staatsanleihen verausgaben und neues Geld schöpfen. Kein anderer Staat kann seine Finanzprobleme so lösen. Das ganze funktioniert, weil ihre nationale Währung gleichzeitig Weltleitwährung ist, weil diese Weltleitwährungsrolle durch die erdrückende US-Militärübermacht abgesichert ist und weil die Nachfrage nach diesen Leitwährungsdollars auch bei wachsender Geldmenge gesichert ist, solange die Weltwirtschaft entsprechend wächst.

Mohssen Massarrat arbeitet den Mechanismus detailliert heraus:

„Technisch werden diese beiden Ziele wie folgt umgesetzt: Um die laufenden Staatsausgaben zu tätigen, tauscht das US-Finanzministerium Staatsanleihen bei der FED gegen von dieser frisch gedruckte Dollars um – allein in 2013 wurden so 1100 Mrd. Dollar in Umlauf gebracht. Die FED wiederum vermarktet die Staatsanleihen auf dem Weltmarkt und lenkt so ständig neues Kapital in die US-Ökonomie, das für den Ausgleich von Leistungsbilanzdefiziten sorgt. Der Preis für diese Geldschöpfungspolitik ist die gigantische Staatsverschuldung der USA, die zwischen 2003 und 2013 von 6731 auf 17556 Mrd. Dollar kletterte. Die Staatsquote stieg damit im selben Zeitraum von 60 auf 108 Prozent (zum Vergleich: die der EU von 60 auf „lediglich“ 87 Prozent). […] Diese Konsumüberschüsse betrugen allein zwischen 2001 und 2013 insgesamt 11550 Mrd. Dollar. Im Klartext heißt das: Im Schnitt floss jährlich mit realen Wirtschaftsleistungen korrespondierendes Kapital aus der ganzen Welt im Wert von 962,5 Mrd. Dollar in die USA, während Letztere sich darauf beschränkten, neues Geld zu drucken und in Umlauf zu bringen.“ (Mahssarrat 2014:95)

Bitcoin als transformatives Instrument

In dieser konkreten Situation bietet sich der Bitcoin insbesondere für imperialismuskritische Ansätze als Instrument an, die nicht darauf setzen, die „eigene“ Fiat-Währung gegen den Dollar durchzusetzen oder auch nur daneben „konkurrenzfähig“ zu machen: Aufgrund seiner Zentralbanklosigkeit würde eine zunehmende Verbreitung des Bitcoins klassische Geld- bzw. Inflationspolitik als Grundlage von geldpolitischem Imperialismus‘ zerrütten oder sogar verunmöglichen. Das oben zitierte Diktum wäre zu konkretisieren: „Bitcoin is the Torrent of Reserve Banking“. So wie das verteilte Tauschprotokoll Torrent die Ära der Kontrolle der Musik- und Filmindustrie über die Distribution der Produkte von Kulturschaffenden beendet hat, könnte das dezentrale Bitcoinprotokoll die Vorherrschaft der mächtigen Zentralbanken auflösen. Verlöre der Dollar seinen Weltgeldcharakter, dann wären das us-amerikanische Handelsbilanzdefizit und die Staatsverschuldung der USA und damit ihre Militärvormacht nicht mehr über die Notenpresse der FED finanzierbar. Damit ergäben sich ganz neue Perspektiven für Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen und Mittleren Osten, für die Demokratisierung der Welthandelsbeziehungen und für eine Abkehr vom Öl als primärem Treibstoff der Weltökonomie.

Akteure der Verbreitung zentralerbankfreier Kryptowährungen wie des Bitcoins und damit des Ausstiegs aus dem Dollar als Leitwährung und Umstiegs sind zunächst die online-konsumierenden Subjekte in ihrer Mannigfaltigkeit, die kommerziellen Bitcoindienstleister und diejenigen Internetkonzerne der zweiten Reihe, die das Potenzial erkannt haben und sich die zu erwartenden Extraprofite der Übergangszeit sichern wollen. Die großen Internetkonzerne (z.B. ebay, Amazon) diskutieren die menüerweiternde Einführung noch. Staaten ohne machtverheißende eigene Zentralbankwährung, denen die US-Regierung über ihre Geldpolitik die Bedingungen ihres Handels diktieren kann (z.B. Venezuela), bietet der Bitcoin eine Perspektive, sich der Umklammerung durch die Geldpolitik der US-Regierung zu entziehen. Sollte das Handeln dieser Akteuersgruppen zusammenwirken und ein nennenswerter Anteil des Welthandels in Bitcoin abgewickelt werden, dann wäre der globalen US-Hegemonie ihre finanzielle (Dollarpolitik) und materielle (Militärdominanz) Basis genommen.

Grundlagen der Bitcoin-Handhabung

Anfänger

Der Bitcoin bildet ein transformatives Instrument zum Umbau der Weltfinanzarchitektur in Richtung des Abbaus geldpolitisch fundierter Machthierarchien. Aber wie funktioniert dieses Instrument nun ganz konkret? Sich damit zu beschäftigen, gemeinsame Erfahrung zu sammeln, diese zu systematisieren und weiterzugeben, darin bestünde die Praxis des Einstiegsprojekts „Mit dem Bitcoin die Weltfinanzen demokratisieren“. Am Anfang steht die Anmeldung bei einer Bitcoinbörse. Bei der Auswahl einer solchen spielen vor allem der nationale Rechtsraum, in dem sich die Börse befindet, eine Rolle und die technische Umsetzung des Servers, der die Bitcoindiensleistung erbringt. Mit der Anmeldung ist man Besitzer eines Kontos bei der Börse. Dieses Konto enthält mindestens zwei Bestände, einen in einer Fiat-Währung und einen in Bitcoin. Manche Börsen bieten mehrere Fiat- und Cryptowährungen an. Um eine Cryptowährung kaufen zu können, ist dann Fiat-Geld auf das Börsenkonto zu überweisen und wenn der Kurs günstig scheint, gegen Bitcoin einzutauschen. Jetzt habe ich ein Bitcoinguthaben in meiner Online-Brieftasche (engl.: „Wallet“), die von der Börse verwahrt wird. Will ich nun einen Bitcoinbetrag irgendwo hin überweisen, brauche ich eine Bitcoinadresse des Empfängers. Eine solche Adresse sieht so aus: 1McNsCTN26zkBSHs9fsgUHHy8u5S1PY5q3[9]

Dabei muss ich der Börse vertrauen, dass sie sich um die Sicherheit meiner Bitcoins kümmert (es gibt keine Einlagensicherung): Sie muss sich gegen Hacker abdichten, gegen Einbrecher, die die Festplatten mit den Bitcoin physisch entwenden könnten, und sie muss eine solide Backupstrategie verfolgen (gegen Naturkatastrophen, Feuer o.ä.), wobei auch die Backups wiederum vor online- und offline-Diebstählen sicher sein müssen. Bis hier hin funktioniert das Verfahren – je nach Benutzeroberfläche der Börse – recht intuitiv und ohne weiteres Verständnis der Konstruktion des hinter Bitcoin steckenden peer-to-peer-Verfahrens.

Fortgeschrittene

Wer sein Guthaben jedoch nur zu einem Teil den Börsen anvertrauen oder komplett unter eigene Kontrolle bringen will, sollte tiefer einsteigen: Ein Bitcoin ist im Grunde eine mehrfach signierte Gutschrift auf eine kryptographische Adresse. Eine solche Adresse kann öffentlich sein (z.B. wenn man sich darauf bezahlen lassen will für eine Ware/Dienstleistung oder Spende) oder privat, wenn sie als digitaler Sparstrumpf dienen soll. Nur der Eigentümer des zu der Adresse gehörigen privaten Schlüssels und Passworts kann auf das mit dieser Adresse verbundene Guthaben zugreifen. Öffentliche Adresse und privater Schlüssel bilden also – ähnlich wie bei PGP/GPG – ein assymetrisches Schlüsselpaar. Wer spekulieren (d.h. sein Glück versuchen und damit gleichzeitig im Zusammenwirken mit allen anderen Spekulierenden zur Kursstabilität des Bitcoin beitragen will) lässt die Bitcoins, die als Einsatz dienen sollen, auf der Online-Wallet liegen.

Abb. 2 Öffentliche Adresse und privater Schlüssel bilden also – ähnlich wie bei PGP/GPG – ein assymetrisches Schlüssel-paar.

Abb. 2 Öffentliche Adresse und privater Schlüssel bilden also – ähnlich wie bei PGP/GPG – ein assymetrisches Schlüsselpaar.

Um die Reserven bzw. das Bitcoin-Sparguthaben zu lagern, gibt es weitere Möglichkeiten mit Vor- und Nachteilen: Hot-Wallet, Cold-Wallet und Paper-Wallet

  • Hot-Wallet: Der private Schlüssel zur Bitcoinadresse liegt auf einem privaten Rechner mit Verbindung zum Internet.
  • Cold-Wallet: Der private Schlüssel zur Bitcoinadresse liegt nur auf privaten Datenspeichern ohne Verbindung zum Internet.
  • Paper-Wallet: Der private Schlüssel liegt nur noch als Ausdruck vor (selbstverständlich sind auch andere Materialien als Papier denkbar). Im Hinblick auf eine leichtere Wieder-Digitalisierung des Schlüssels wird dieser i.d.R. in Form eines QR-Codes[10] ausgedruckt.

Wer Bitcoin auf eine dieser Arten selbst verwaltet und aufbewahrt, ist auch selbst für Backups und Diebstahlschutz verantwortlich. Zunächst geht es darum, ein zuverlässiges Geldbeutel-Programm zur lokalen Verwaltung der Bitcoins zu installieren, einen sog. Bitcoin-Client (vgl. FN1). Es sollte sich dabei auf jeden Fall um ein Open Source-Programm handeln. Der Rechner, auf dem eine Hot-Wallet betrieben wird, sollte gegen Angriffe aus dem Internet so gut wie möglich gesichert sein, d.h. diesen Rechner, am besten mit einem Open-Source-Betriebssystem ausgestattet, im Grunde nur für Bitcointransaktionen nutzen und ans Netz nehmen. Von privaten Schlüsseln in Hot-, Cold- oder Paper-Wallets sollte es je mindestens eine Kopie als Backup geben, die an einem anderen, sicheren Ort versteckt ist. Das zum privaten Schlüssel gehörige Passwort sollte in jedem Fall am besten nur im Kopf aufbewahrt werden, sollte aber auch komplex und lang genug sein, um nicht rechnerbasiert durch „ausprobieren“ geknackt werden zu können: Eine Zeichenfolge mit möglichst wenig grammatischer, lexikalischer und syntaktischer Logik und mit einer Länge von mindestens 25 Stellen sollte bis auf weiteres ausreichen.

Pseudonymität ist nicht Anonymität

Sicher heißt noch nicht anonym. Jede Bitcointransaktion wird in der sog. Blockchain festgehalten. Die Blockchain ist übers Internet für alle einsehbar. Die Signaturen garantieren, dass das Guthaben in Folge einer regelgerechten Transaktion zustande gekommen ist. Sobald eine gewisse Anzahl Signaturen zusammen gekommen ist, ist eine Transaktion vollständig vollzogen. Die Transaktionsgebühr[11], ca. ein Zehntausendstel Bitcoin, die im Bitcoinsystem vorgesehen ist, deren Höhe aber frei einstellbar ist, fließt in einen Pool, aus dem die Signierenden wie beim Mining „entlohnt“ werden. Das Signatur-, sprich: Prüfverfahren erklärt die Dauer einer Bitcointransaktion, die ja nicht in Echtzeit, sondern nach wenigen Minuten vollendet ist. Da in der Blockchain nur die Bitcoinadressen gespeichert werden, nicht aber die IP-Adressen, gilt das Bitcoinsystem als pseudonym. Ein Überwacher, der die Transaktionen beobachtet, kann jedoch eine Verbindung zwischen Bitcoin- und IP-adressen herstellen. Um diese Pseudonymität in Richtung Anonymität abzuhärten, kann der mit Bitcoin verbundene Datenverkehr über sog. Mixes[12] oder das Tor-Netzwerk geleitet werden.

Fazit

Der Bitcoin kann die Weltfinanzen demokratisch transformieren und die Umverteilung des global produzierten Reichtums in Richtung derer, die die Dollarnotenpresse kontrollieren, beenden. Er bildet aber keine anti- oder transkapitalistische Keimform (vgl. Meretz 2014). Bitcoin ist und bleibt allgemeines Äquivalent. Die Möglichkeiten für eine systemtranszendierende Transformation (vgl. z.B. Klein 2013) der Kryptowährungen selbst sollten sich jedoch mit der Demokratisierung der Weltfinanzarchitektur ebenfalls verbessern: Die utopische Fragestellung lautet: Wie läßt sich eine Evolution von Kryptowährungen in Gang setzen, in der sie ihre Geldform ablegen und zum rationalen Planungsinstrument für den Abgleich von einerseits Bedürfnissen und andererseits Ressourcenbeständen, Produktions- und Verteilungsmöglichkeiten werden?

Unbearbeitete Diskussionskomplexe

  • Wie den organisierten Ausstieg aus dem Dollar organisieren (z.B. durch dissidente Ölstaaten wie z.B. Venezuela und Iran)
  • Bedeutung der durch die begrenzte Bitcoin-Gesamtmenge „eingebauten“ Deflation (Wirtschaftswachstum voraussgesetzt) für einen Bitcoin auf dem Weg zur Internet- oder gar Weltwährung: Ist mit einer strukturell deflationären Währung Kapitalismus überhaupt noch möglich?
  • Treffen „Schwundgeldkritiken“ (vgl. Altvater 2011) auch Cryptowährungen wie den Bitcoin? Wenn ja, inwieweit spricht das politisch gegen einen Einsatz dieser Währungen als transformatives Mittel?
  • Möglichkeit der konzertierten Kriminalisierung des Bitcoins als solchem durch die Fiat-Geld-Staaten und Perspektiven über eine solche hinaus.
  • Bildet sich im Bitcoinsystem ein (Nicht-Zentral-)Banken- und Kreditsystem heraus? Worin bestehen die Gemeinsamkeiten/Unterschiede zum klassischen System der Finanzinsitutionen?
  • Transformationstheoretische Bewertung von P2P-Techniken im Allgemeinen und von P2P-/Crypto-Geld im Besonderen: Implex (Dath/Kirchner 2012), Keimform, transformatorisches Mittel (doppelt? einfach?), Einstiegsprojekt?

Attributions

Abb. 1: Eigene Montage aus http://blockchain.info/charts/tx-trade-ratio und http://blockchain.info/charts/market-price
Abb. 2: „Bitcoin Wallet.png“ by Matthäus Wander (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Literatur

Fußnoten

[1] z.B. https://bitcoin.org/en/download oder electrum.org
Mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Bitcoin#Bitcoin-Clients

[2] Die größte, über mehrere Jahre dominierende Börse mtgox.com musste neulich aufgrund eines Sicherheitslecks und nachfolgender Verluste schließen. Das Bitcoinökosystem reagierte mit starken Zuckungen, aber der von vielen Skeptikern vorhergesagte Zusammenbruch blieb aus. Stattdessen regeneriert sich das System auf der Basis vieler kleiner Börsen, z.B. bitcoin.de oder kraken.com, und spannende Entwicklungen wie der Versuch der Entwicklung einer Open-Source-Software für den Betrieb von Bitcoinbörsen (buttercoin.net, wurde nach kurzer Zeit allerdings schon wieder closed source) sind zu beobachten. So gilt mit Brecht: Was ist schon ein Bitcoin-Hack gegen die Gründung einer Bitcoin-Börse?
[3] „Fiat Lux!“, lateinisch für „Es werde Licht“, eine der Textzeilen zum biblischen Schöpfungsakt, liefert die Bezeichnung für Währungen, in denen Geld durch eine Zentralbank herausgegeben und im Moment seiner Herausgabe aus dem nichts geschaffen wird.
[4] aktuelle Listen: https://de.bitcoin.it/wiki/Handel (deutschsprachig), https://en.bitcoin.it/wiki/Trade (englischsprachig); Karte mit Standorten von Warenangeboten in Bitcoin: http://coinmap.org
[5] Interessante Statistikkurven direkt von der Quelle: http://blockchain.info/charts
[6] Stastiken über die Anzahl der aktiven Teilnehmer am Bitcoin-Netzwerk: http://bitcoinstatus.rowit.co.uk
[7] Die wichtigsten Foren finden sich bei Reddit (http://metareddit.com/r/Bitcoin) und bitcointalk.org.
[8] Einen aktuellen Überblick über die nationalen Rechtslagen liefert der Wikipedia-Artikel „Legality of Bitcoins by country“ (Wikipedia 2014).
[9] Bei der Beispieladresse handelt es sich um eine öffentliche Adresse von Jimmy Wales, einem der Gründer von Wikipedia. Solange Wikipedia keine offizielle Bitcoin-Spendenadresse veröffentlicht hat, sammelt Wales Bitcoin-Spenden für Wikipedia, http://www.reddit.com/r/Bitcoin/comments/201fa6/hello_from_jimmy_wales_of_wikipedia
[10] Bei QR-Codes handelt es sich um diese schwarz-weißen Quadrate, die wiederum mit Mustern aus kleineren schwarzen und weißen Quadraten gefüllt sind. QR-Code-Scanner gibt es als Apps für alle Rechner und Smartphones, die mit einer Kamera ausgestattet oder verbunden sind. Verwirrung kann die Tatsache stiften, dass auch eine öffentliche Bitcoinadresse als QR-Code angezeigt werden kann, z.B. um die Adressierung einer Spende zu erleichtern, indem nur noch der QR-Code, also die Adresse, abzufotografieren ist.
[11] Die Transaktionsgebühr ist nicht zu verwechseln mit den Dienstleistungsgebühren, die i.d.R. von den Börsen zusätzlich erhoben werden, deren Betrieb finanzieren und zwischen 0,1 und 0,5 Prozent des Umsatzes liegen.
[12] Dienste, die von außen nicht einsehbar sind, in die viele Bitcoinüberweisungen mehr oder weniger gleichzeitig hineingehen, innen eine neue Adresse bekommen und dann – am besten mit kleiner zufallsgesteuerter Zeitverzögerung – wieder nach außen an die eigentliche Empfängeradresse geschickt werden. Ein Überwacher kann solche Bitcoinüberweisungen nicht mehr einer bestimmten Absender-IP zuordnen, außer er verschafft sich Zugang zum Mix-Dienst (durch einen Trojaner, einen Hack, oder indem er den Mix selbst betreibt). Ein Durchsuchungsbeschluss sollte nicht weiterhelfen, wenn der Mix-Betreiber darauf verzichtet, die internen Umadressierungen zu protokollieren (d.h. auf „Logs“ verzichtet).

 

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2 Responses to “Fight Fire With Fire: Bitcoin als Waffe im Kampf gegen das Dollar-Empire”

  1. Markus sagt:

    Vasilis Kostakis und Chris Giotitsas schreiben zusammenfassend über ihren lesenswerten Artikel zum Thema Bitcoin mit dem Titel: „The (A)Political Economy of Bitcoin“:

    The still raging financial crisis of 2007–2008 has enabled the emergence of several alternative practices concerning the production, circulation and use of money. This essay explores the political economy of the Bitcoin ecosystem. Specifically, we examine the context in which this digital currency is emerging as well as its nature, dynamics, advantages, and disadvantages. We conclude that Bitcoin, a truly interesting experiment, exemplifies „distributed capitalism“ and should be mostly seen as a technological innovation. Rather than providing pragmatic answers and solutions to the current views on the financial crisis, Bitcoin provides some useful and timely questions about the principles and bases of the dominant political economy.“

    Weiterlesen bei tripleC: Communication, Capitalism & Critique. Open Access Journal for a Global Sustainable Information Society

  2. Die Süddeutsche Zeitung berichtet über nationalisiertes Crpyto-Geld:

    Was macht ein Land, das keine eigene Währung mehr hat? Es bastelt sich ein digitales Zahlungsmittel. Mit einer Kunstwährung ähnlich dem Bitcoin will Präsident Correa eine unangenehme Fessel loswerden. Mehr

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