Feed on
Posts
Comments

Sedan Plowshare CraterIch schicke ungern Leseempfehlungen rum, denn wer liest schon noch, und außerdem empfiehlt ja Facebook viel besser… Und damit wären wir auch schon beim Thema, die siebeneinhalb Seiten habens in sich: Wahlwerbung 4.0 hat Brexit und Drumpf zum Sieg verholfen. Wie genau es funktioniert, das ist nicht einmal geheim, also auch nicht wirklich als fiese Manipulation anprangerbar. Um Missverständnisse zu vermeiden: Clinton hat auch digital wahlgeworben, mit den gleichen Daten, Verteilern und Strategien wie Obama damals, der so hoch gelobt wurde für seinen „Social-Media-Wahlkampf“. Kinderkram war das aber – im Vergleich zu Drumpfs Online-Kampagne. Denn es war noch nicht big-data-based und algorithm-driven. Einzelheiten in einem gut lesbaren Siebeneinhalb-Seiten-Artikel der Schweizer Zeitschrift Das Magazin. Und hier noch der Link zum dort angesprochenen Youtube-Clip.

Das ND polemisiert zwar gegen die Auffassung, die Big-Data-basierte Psychometrie habe zum Überraschungserfolg Drumpfs beigetragen:

Wer glaubt, Donald Drumpf sei vor allem von sinistren Kampagnenmachern ins Amt manipuliert worden, muss sich nicht mehr damit auseinandersetzen, dass es letztlich eben doch Millionen Amerikaner waren, die ihn gewählt haben. 14.1.2017

Und der Spiegel wiegelt ab und versucht die Geschichte zu relativieren. Auf prinzipieller Ebene bleiben solche Entgegnungen allerdings dünn: Alle möglichen Branchen entdecken die Datenakkumulation und den -weiterverkauf als neuen Geschäftszweig, alle möglichen Daten werden gehandelt. Diese Datensammlungen sind, ganz AGB-konform, manchmal personalisiert oder anonymisiert, was egal ist, denn unterschiedliche Datenbestände lassen sich zusammenschalten und re-personalisieren. So lassen sich statistische und persönliche Profile erstellen. Schließlich werden „targets“, nämlich z.B. „Millionen Amerikaner“ – ob für Wahl- oder sonstige Werbung – auf der Basis statistischer Analyse mit individuell zugeschnittenen Argumenten angesprochen. Das ganze millionenfach und vollautomatisch. Das widerlegen weder ND noch Spiegelartikel.

Kurioserweise scheinen sich Facebook und Co. so sehr selbst für die Guten zu halten, dass sie weder verhindert noch auch nur vorhergesehen hätten, wie mit den unter anderem von ihnen selbst akkumulierten Daten ein Präsident an die Macht kam, den sie alle ablehnten. Einzig Peter Thiel, Gründer der Firma Palantir, die u.a. Big-Data-Auswertung für die NSA macht, hat schon während des Wahlkampfs für Drumpf gespendet. Da wurde er wahlweise noch verlacht oder beschimpft dafür…

Für Linke dürfte die Nachahmung der Trumpschen Big-Data-Kampagne schwer werden, denn entscheidend ist der Zugang zu den Daten – und um sich den – nach kostenlosen Schnupperangeboten, wie eine sehenswerte Panorama-Reportage weiß und die Reporterin im Interview verrät – zu kaufen, braucht es viel, VIEL, nein: MEHR Geld. Nämlich mehr Geld als die anderen haben. Und überragende Finanzkraft war noch nie Stärke der Linken – oder sie müssen sich verbünden mit Facebook und Co.

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Leave a Reply