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Limux, das Verwaltungssoftware-System der Stadt München, muss ja oft herhalten als „Beweis“ dafür, dass man mit Freier Software sowas machen kann (eine öffentliche Verwaltung betreiben) oder eben nicht. Das einzige, was sich aber wirklich an dem Beispiel ablesen lässt: Dass sich diese Streitfrage unter den gegebenen Herrschaftsbedingungen nicht von der Technik her (dem Gebrauchswert) entscheiden läßt. Die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Freien Software ist in den Argumenten der verschiedenen Interessenvertreter*innen und den dahinter wirkenden Lobbies immer nur Mittel zur Durchsetzung der eigenen Ziele. Es geht nicht um die Sache selbst. Dass es aber auch nicht um das öffentliche Interesse geht, bzw. dass sich dieses als das ideologische Terrain herausstellt, auf dem der Interessenkampf ausgetragen wird, zeigt sehr schön ein aktueller Übersichtsartikel bei heise.de klar.

Die mittlerweile nicht mehr ganz so junge große Koalition aus SPD und CSU führt viele Schwierigkeiten in der Verwaltung auf die Linux-Lösung zurück und will aussteigen, zurück auf Windows.  Interessant dabei: Nicht mal der globale Unternehmensberatungs- und Outsourcing-Konzern Accenture rät in seinem von der großen Koalition in Auftrag gegebenen Gutachten zum Ausstieg aus Limux. Grüne und Piraten kritisieren die Ausstiegspläne und verweisen z.B. auf die 60 bis 70 kommunalen Linux-Programmierer. Millionen, die in den letzten Jahren an Lizenzgebühren eingespart werden konnten, gehen in die Arbeit dieser Menschen. Die Arbeitsergebnisse wiederum stehen nicht nur der Stadt München offen, sondern nach dem Prinzip Freier Software allen interessierten Nutzer*innengruppen, z.B. in anderen Kommunen mit Linux in der Verwaltung und umgekehrt, denn auch die anderen haben ihre Linuxfachleute, die lokal Probleme lösen und ihre Problemlösungen gemäß der commons-basierten Peer-Produktionsweise auch wieder global zur Verfügung stellen.1

Linux in öffentlichen Verwaltungen ist keine technische Frage, sondern eine politische: Es geht um die Souveränität bei der kommunalen Datenverarbeitung und gegen die Verschwendung öffentlicher Gelder an private Lizenzinhaber-Konzerne. Mit Linux in der öffentlichen Verwaltung produzieren öffentliche Gelder öffentliche Software zum Wohle der Allgemeinheit. Wer sich in der Frage Offene/Freie Software oder proprietäre Lizenzware positioniert oder gar als Entscheider*in agiert, entscheidet sich für die eine oder die andere Seite der Barrikade. Soviel sollte den aktiv an dieser Auseinandersetzung Teilnehmenden auf dem diskursiven Feld und in der Verwaltungspraxis selbst wenigstens klar sein.

 

  1. Theorieproduktion zur commons-basierten Peer-Produktion z.B. bei keimform.de. []

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