Feed on
Posts
Comments

Nicht nur hier im netzfueralle-Blog, sondern auch in meinem Email-Footer grantle ich ja schon länger rum:

---
Für das RECHT AUF DIGITALE ABSTINENZ. Niemand darf gezwungen sein, digital zu kommunizieren.
Wer kein Smartphone/Internet will, dem oder der müssen Behörden, Daseinsvorsorge-, Bildungs-,
Sport- und Kultureinrichtungen weiterhin analog Zugang bieten.
---

Jetzt gibts endlich die Kampagne dazu: Gegen Digitalzwang. Das Neue Deutschland berichtet über das Anliegen, ein Recht auf Leben ohne Digitalisierung im Grundgesetz zu verankern. Außerdem kommentiert die Zeitung die Kampagne für diskriminierungsfreie Offline-Zugänge.

Die soziale Frage am Thema Digitalisierung aufwerfen kann nämlich auch heißen: Digitalisierung als Möglichkeit zur Menüerweiterung zu begreifen (und gleichzeitig zu kritisieren als strategisches Mittel zur Kostenverlagerung in Richtung derer, die sich eh schon nicht wehren können). Denn:

Bürger müssten aber selbst entscheiden dürfen, ob und wann ein Smartphone genutzt oder überhaupt angeschafft werden muss, fordern die Bielefelder Bürgerrechtler. Das Gleiche gelte für Betriebssysteme, auf denen die benötigten Apps installiert werden müssen, die aber oft kostenpflichtig sind. Die gesellschaftliche Abhängigkeit von digitalen Lösungen sei ein Risiko, sagt Digitalcourage, die Wahlfreiheit fördere hingegen die »gesellschaftliche Resilienz«“, so das ND.

Digitalzwang bedeutet laut Definition der Kampagne:

  1. Digitalisierungszwang: Es gibt keine analoge Alternative mehr. Ohne Smartphone oder PC werden Sie aus dem öffentlichen Leben ausgegrenzt.
  2. App-Zwang: Sie brauchen eine App, die nur zu bestimmten Bedingungen installierbar ist (Smartphone-Besitz, Wahl des Betriebssystems, Zugang zum App-Store, Tracker, Datenzugriff).
  3. Kontozwang / Accountzwang: Sie können einen Dienst nur nutzen, wenn Sie sich ein Konto anlegen und dazu Angaben zu Ihrer Person machen. Liegt auch vor, wenn zur Installation einer bestimmten App (App-Zwang) ein Google- oder Apple-Konto vorausgesetzt wird.
  4. Datenabgabezwang: Ein Dienst ist nur verfügbar, wenn Sie bereit sind, Überwachungstechnologien wie Tracker und Cookies zu akzeptieren.

Wer mitmachen will, der oder die kann zunächst mal einfach melden, wo sie betroffen ist durch unzumutbaren Digitalzwang auf dem Meldeportal. Außerdem bietet Digitalcourage die Möglichkeit, sich analog an dieser Frage (und/oder anderen) zu organisieren.

Die Initiatoren der Kampagne stehen außer Verdacht, als tumbe Technikverweigerer  unterwegs zu sein. Handelt es sich doch um eine Organisation, deren soziale Basis sich anerkanntermaßen gerade aus den technik-affinen Teilen der Bevölkerung rekrutiert. Und genau deshalb kommt diese Kampagne aus dieser Richtung, ließe sich folgern. Denn auch dort werden die Unzumutbarkeiten kapitalistischer Digitalisierung offensichtlich als solche empfunden, aber eben nicht individuell als persönliches Versagen bilanziert, sondern in ein kollektives Aufbegehren umgewandelt. Irgendeine AG der Partei die Linke alleine wäre ausgelacht worden für dieses Kampagnenkonzept. So können wir da jetzt mitmachen und müssen ernst genommen werden. Danke, Digitalcourage!

Tags: