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Film-Still aus einem Werbetrailer für Amazon Care

Beim Thema Gesundheit geht es um viel Geld – und ein Teil dieses Geldes ist noch nicht vollständig kapitalistischen Interessen unterworfen. Den Mythen der gesundheitspolitischen Debatten, den Diagnosen der gesundheitspolitischen Probleme und möglichen Alternativen zur neoliberalen Transformation widmete sich Nadja Rakowitz schon 2017 in der RLS-Broschüre „Gesundheit ist eine Ware“. Seitdem hat sich einiges getan. Mit der Corona-Krise eroberten die Tech-Konzerne neue Geschäftsfelder und drängen auch in den Gesundheitsmarkt. Lobbyisten arbeiten in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium an den gesetzlichen Grundlagen für eine kapitalinteressen-orientierte Digitalisierung (vgl. z.B. das „Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation“ von 2019). Das Gesundheitsthema ist mittlerweile nicht mehr ohne den Aspekt der Digitalisierung abhandelbar. Auch im Gesundheitswesen offenbart diese ihren Klassencharakter auf mindestens zwei Ebenen, nämlich der machtpolitischen und der technologischen Ebene . Weiterlesen

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Derzeit ist überall Digitalisierung. In fast allen bis vor kurzem nicht digital überbauten gesellschaftlichen Bereichen hält irgendwie die Digitalisierung Einzug. Damit wird auch IT-Sicherheit in Bereichen zum Thema, die bisher noch nicht digital angreifbar waren. Cyberangriffe allerorten. Neulich waren die Chicken Wings aus: Cyberangriff. Kann man nix machen. Cyber mag für den einen oder die andere immer noch aufregend und nach Neuland klingen. Mit dem Hebel „Cyberwar“ werden Milliarden öffentlicher Gelder in Richtung sich werbewirksam präsentierender Startups und IT-Konzerne und neuer Bürokratien umverteilt. Produziert wird dort dann Pseudo-Sicherheit à la IT-Sicherheitskennzeichen (etwas nach unten scrollen, dort machen sie immerhin transparent, was das „Sicherheitskennzeichen“ nicht kann…).

Aber IT-Sicherheit ist kein neues Thema. Streng genommen sind die mathematischen Grundlagen von IT-Sicherheit nicht einmal ein digitalistisches Thema. Zum Beispiel das Kerckhoffs’sche Prinzip: Im Jahr 1883, lange vor der Existenz jeder automatischen Rechenmaschine, formulierte der niederländische Sprachforscher Auguste Kerckhoff dieses bis heute gültige grundlegende Gesetz der Wissenschaft von der Verschlüsselung („Kryptographie“). Es besagt, dass die Sicherheit eines Verschlüsselungsverfahrens nicht auf der Geheimhaltung der Art und Weise der Verschlüsselung („Verschlüsselungsalgorithmus“) beruht, sondern auf der Geheimhaltung lediglich des Schlüssels (bzw. der Kombination aus Schlüssel und Passwort). Weiterlesen

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Fun at the Airport:
„Ladies and gentlemen, we need you to please evacuate the terminal immediately!“
CC Scott via flickr

Probleme beim Aufspielen einer neuen Flugsicherungsoftware haben am Mittwochmorgen weite Teile des Luftverkehrs über Deutschland beeinträchtigt. In der Zentrale in Langen bei Frankfurt musste über mehrere Stunden die mögliche Verkehrsmenge um die Hälfte verringert werden, wie eine Sprecherin der bundeseigenen Deutschen Flugsicherung (DFS) berichtete“, so die Wochenzeitung Die Zeit im Sommer 2022.

Gewitterstürme und Blitzeis haben am Mittwochmorgen weite Teile des Luftverkehrs über Deutschland beeinträchtigt. In der Zentrale in Langen bei Frankfurt musste über mehrere Stunden die mögliche Verkehrsmenge um die Hälfte verringert werden, wie ein Sprecherin uswusf.

Softwarefehler. Kann man wohl nichts machen – wie bei schlechtem Wetter: So fühlen sich derartige Meldungen an, die am konkreten Beispiel berichten über allgemein gesprochen: die Infrastrukturbasis, deren digitalen Überbau und dabei im kapitalistischen Normalbetrieb auftretende Probleme. Aber: Nichts ist menschlicher, menschengemachter als das, was uns auf allen Feldern als „Digitalisierung“ begegnet. Und dennoch gelingt die Naturalisierung der negativen Folgen kapitalistischer Digitalisierung. Warum betone ich das kapitalistisch hier so sehr? Weil es die kapitalistitsche Zurichtung ist, die dazu führt, dass „man nix machen kann“: Kommerzielle IT-Systeme sind zuerst dem Zwecke der Profitmaximierung unterworfen. Ihr Gebrauchswert („Anwendungszweck“) ist nur Mittel der Konkurrenz zwischen privatwirtschaftlichen Akteuren. Weiterlesen

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Chaos macht Schule, via netzpolitik.org

Der Digitalpakt (offiziell DigitalPakt Schule) bezeichnet ein Programm der Bundesregierung zur Förderung der Digitalisierung an den Schulen. Er wurde im März 2019 beschlossen und hat inklusive Erhöhung der Förderung 2020 einen Umfang von 6,5 Millarden Euro.

Schon lange vor diesem Digitalpakt haben nicht nur Konzernlobbyisten ihre Arbeit gemacht. Auch die Praktiker_innen an der Basis der gesellschaftlichen Digitalisierung brachten ihre Vorstellungen von Schuldigitalisierung ein: Chaos macht Schule hieß die Parole des Chaos Computer Clubs schon 2017. Und von Anfang an haben zivilgesellschaftliche Akteure wie etwa das Bündnis für humane Bildung, aber auch die RLS den Digitalpakt der Bundesregierung vor diesem Hintergrund beobachtet und kritisiert. Eine der Befürchtungen, die sich durch die Analysen zieht: Hier werde ein Konjunkturprogramm zugunsten der Plattformkonzerne aufgelegt, die mit ihren Hard- und Softwareangeboten und mit konzerninteressenkonformen Lehrmaterialien jetzt auch noch die Schulen kolonisieren.

Dass es auch anders geht, zeigt der Ansatz der „Demokratische Digitalisierung (DD)“, der der Einführung von computer- und netzwerkbasierten Lern- und Lehrwerkzeugen an Schulen in Barcelona zugrunde liegt: Digitaler Schulunterricht funktioniert dort auch ohne die Programme der großen Unternehmen. Barcelona setzt mit Erfolg auf offen zugängliche Software, wie die Tageszeitung taz im April 2022 berichtet. Weiterlesen

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Bild: Viktor Avdeev via unsplash

Dem Guardian wurden mehr als 124.000 vertrauliche Dokumente aus den Beständen des vielkritisierten Plattformkonzerns Uber zugespielt. Dieser bemüht sich um die Monopolstellung bei der Bereitstellung „mikro-unternehmerischer“ Mobilitätsangebote.

Die Dokumente belegen am konkreten Beispiel eindrucksvoll, mit welchen Methoden die Plattformkonzerne in ihren jeweiligen Geschäftsbereichen vorgehen, um klassische Infrastrukturangebote zu beseitigen.

Das Beispiel Uber zeigt, wie dabei auch soziale und ökologische Mindeststandards bewußt unterlaufen und sabotiert werden, nicht nur in Berlin.

Ferner belegt der Fall Uber, wie sich politische Mandatsträger, deren Verpflichtung es ist, Infrastrukturen der öffentlichen Daseinsvorsorge zu schützen und auszubauen, von solchen Konzernen einspannen lassen und wie sich der Konzern dabei öffentlicher Regulierung aktiv zu entziehen versucht:

  • Akten enthüllen Versuche, Joe Biden, Olaf Scholz und George Osborne zu beeinflussen
  • Texte enthüllen, dass Emmanuel Macron heimlich die Lobbyarbeit von Uber in Frankreich unterstützt hat
  • Unternehmen benutzte „Kill Switch“ bei Razzien, um zu verhindern, dass die Polizei Daten einsehen kann
  • Ehemaliger Uber-CEO sagte Führungskräften: „Gewalt garantiert Erfolg“.

 

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SalkatPitt.jpg

„Juhuu, impfen!“
Gemeinfrei, via Wikimedia

Edit 30.3.21: Moderna-Impfstopff gehackt und jetzt auch open sourced. Leider ist das Nachbauen nicht so einfach, auch wenn die Quellen offen sind.

Die Impfkampagne stockt, die Regierung ist schuld. Die Regierung? Nein. Der nach Profitkritierien organisierte Gesundheitssektor ist schuld. Wäre Impfversorgung öffentliche Aufgabe, dann gäbe es einen Impfstoff spätestens seit Mai 2020 (in Worten: zweitausendzwanzig). Wie genau und mehr erzählt der aktuelle Jacobin in einem aus dem Finnischen übersetzten Artikel: Weiterlesen

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…in der Süddeutschen !!

„In Berlin grassiert das Virus derzeit unter Menschen, die an der neuen App schon wegen fehlender Sprachkenntnisse scheitern. Der Leiter eines Berliner Gesundheitsamts über seinen Alltag fernab von Technologie: ‚Ein Spielzeug für die digitale Oberklasse.'“

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Aha, jetzt ist es also raus, wofür sie die Seuche beim Schopfe packen wollen: Grundrechte nur noch gegen einwandfreien Seuchenpass, sprich digitale Identität. Ein fälschungssicheres digitales Verzeichnis des je eigenen sozialen Profils und der biographischen Zeitleiste einer Person soll die Virenfreiheit belegen, kann aber viel mehr. Auf der Basis der anfallenden Daten würden Lebensläufe und Sozialprofile endgültig und eindeutig quantifizierbar. Was quantifizierbar ist, ist nach „objektiven“ Kriterien bewertbar und in letzter Konsequenz verkäuflich und handelbar.

Heise, der größte deutschsprachige Technikverlag, quasi der Spiegel fürs Ingenieurswesen, berichtet vom Stand der Dinge:

Gegen Bürger, die „nachweisen, dass sie nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft die übertragbare Krankheit, wegen der Schutzmaßnahmen getroffen werden, nicht oder nicht mehr übertragen können“, sollen Grundrechtseinschränkungen nach § 28 Abs. 1 IfSG (Infektionsschutzgesetz) nicht angeordnet werden dürfen. Quelle

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… solidarische Infrastruktur für solidarische Aktionen:

In der aktuellen Situation erreichen uns Anfragen aus vielen Zusammenhängen, wie sie ihre politische Arbeit digital unterstützen und weiterführen können. Wir werden zum Beispiel gefragt, wie ein Plenum oder Bündnistreffen digital umgesetzt werden kann, wenn sich Leute nicht in einem Raum treffen wollen/können.

Als linkes Technik-Kollektiv wollen wir euch darin unterstützen, die richtigen Tools zu verwenden und dabei weiterhin ein Mindestmaß an Datenschutz- und Sicherheitsansprüchen zu wahren. Wir haben im Folgenden ein paar konkrete Empfehlungen für Tools zusammengetragen, die wir für digitale kollaborative Arbeitsprozesse hilfreich finden.

Es zeigt sich z.B. dass die RLS mit ihrer Nextcloud gar nicht so sehr daneben liegt.

—-> Weiter zu den ständig aktuell gehaltenen Empfehlungen von Systemli

Da die Frage „Wie machen wir jetzt am besten unsere Videokonferenzen?“ alle umzutreiben scheint, möchte ich vor allem auf ihre Links zu Jitsi-Instanzen verschiedener Techno-Kollektive hinweisen.

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Jetzt auch in deutschsprachiger Übersetzung (pdf).

Transform!, die Stiftung für politische Bildung der Europäischen Linkspartei, hat eine ausführliche und kritische, polit-ökonomische Studie von Marco Berlinguer über Freie und Open Source Software (FOSS) veröffentlicht. Wie der Titel „Commons, Markets and Public Policy“ nahelegt, geht es um FOSS nicht nur als Commons, sondern auch als Durchlauferhitzer für Innovation, Rationalisierung und Profitsteigerung in der kapitalistischen Digitalwirtschaft und Möglichkeiten von FOSS im Hinblick auf das Öffentliche. Weiterlesen

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