Feed on
Posts
Comments

Aus gegebenem Anlass, einen Kollegen beschäftigt die Sache beim Mittagstisch und weil meine Nachlese ja vielleicht über den Einzelfall hinaus interessant ist. Das Problem, eine noch nicht ausgeheilte Corona-Spätfolge: Die Arbeitgeberin setzt Zoom voraus für bestimmte Meetings. Das erscheint aber aus Beschäftigtensicht inakzeptabel, sobald man auch auf Arbeit nicht bereit ist, auf ein Mindestmaß an persönlicher digitaler Souveränität zu verzichten, konkret: Wenn man für seine eigene Person eine Bild- und Sprach-basierte Verhaltensprofilierung durch einen Digitalkonzern ausschließen will – auch während der Arbeitszeit. Zur Erinnerung: Gegenstand des Arbeitsvertrags ist ein Teil der Lebenszeit, nicht ein Teil der Persönlichkeit, nämlich der visuelle und sprachliche Ausdruck einer Person. Weiterlesen

Sind NFTs 2026 Geschichte?

Der Hype um NFTs (Non-Fungible Tokens) ist schon länger vorüber. Spätestens seit dem Zusammenbruch des NFT-Marktes im Jahr 2022 ist klar, dass es sich bei NFTs um höchst spekulative Investments handelt. Der NFT-Boom der späten 2010er und frühen 2020er Jahre war Teil eines breiteren Krypto-Wahns, der vor allem von Early Adopters – die auf schnelle Gewinne aus waren – maßgeblich vorangetrieben wurde. Dies geschah auf vehemente und oft sogar betrügerische Weise; einige Marketingstrategien von NFT-Händlern wiesen sogar Ähnlichkeiten mit Schneeballsystemen auf (https://theconversation.com/nfts-an-overblown-speculative-bubble-inflated-by-pop-culture-and-crypto-mania-174462). Doch trotz dieser dubiosen Strategien und dem Ende des Hypes sind NFTs noch lange nicht Geschichte. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Reihe CryptoPunks von Matt Hall und John Watkinson (gemeinsam bekannt als Larva Labs), die weiterhin einen relevanten popkulturellen Einfluss und auch entsprechende Verkaufszahlen haben. Nach ihren eigenen Angaben fanden von den acht teuersten CryptoPunk-Verkäufen die Hälfte nach dem Zusammenbruch des NFT-Marktes 2022 statt. Innerhalb der letzten zwölf Monate (Stand Januar 2026) wurden 1.876 CryptoPunks für einen durchschnittlichen Preis von ca. 160.000 US-Dollar verkauft. Somit wurde in diesem Zeitraum eine Gesamtverkaufssumme von über 300 Millionen US-Dollar verzeichnet (https://www.cryptopunks.app/). Ein Charakteristikum das CryptoPunks – im Vergleich zu anderer digitaler Kunst, die mit NFTs authentifiziert wird auszeichnet, ist, dass sie als sogenannte On-Chain Art direkt auf der Ethereum-Blockchain gespeichert werden (https://www.larvalabs.com/blog/2021-8-18-18-0/on-chain-cryptopunks). Weiterlesen

Spätestens nachdem der demokratische Sozialist aus den Reihen der Democrats, Zohran Mamdani, am 4. November 2025 zum neuen Bürgermeister New York Citys gewählt wurde, stellt sich innerhalb der gesellschaftlichen und parteipolitischen Linken die Frage, was man von diesem Erfolg lernen kann. Wie konnte seine Kampagne über 50.000 ehrenamtliche Helfer:innen mobilisieren? Wie kam es dazu, dass er sowohl in New York, als auch über die Grenzen der Stadt und über innerlinke Kreise hinweg große Aufmerksamkeit erfahren hat? Ein Aspekt, der die Mobilisierung und erhöhte Aufmerksamkeit begünstigt hat, war die erfolgreiche Nutzung der sozialen Medien. Während er vor dem Start seiner Kandidatur weniger als 20.000 Follower:innen auf Instagram hatte, folgten ihm schon zu den Vorwahlen im Juni fast 4 Millionen Menschen. Seine Konkurrenten um das Bürgermeisteramt, die zu dieser Zeit zwischen 130.000 und 200.000 Follower:innen schwankten, waren schon damals weitestgehend abgeschlagen [1]. Auch auf anderen Social-Media-Plattformen wie TikTok oder X herrschte eine ähnlich deutliche Kluft zwischen dem Mitglied der Democratic Socialists of America (DSA) und seinem unabhängigen und republikanischen Konkurrenten [2]. Zudem gingen regelmäßig Videos von ihm viral. Das prominenteste Beispiel hierfür ist ein Clip, in dem Mamdani den Direktor der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE), Thomas Homan, energisch konfrontiert, während Polizisten ihn zurückhalten. So stand schon lange vor dem vierten November für einige Kommentatoren fest: „Mamdani is clearly winning online.” In diesem Kontext scheint es sinnvoll, sich Mamdanis Online-Kampagne genauer anzusehen, um aus seinen Mobilisierungstaktiken im Internet Lehren zu ziehen und diese gegebenenfalls in weiteren Kampagnen und Mobilisierungs- bzw. Organisationsvorhaben zu implementieren. In diesem Blogeintrag will ich drei Punkte von Mamdanis Social Media Kampagne näher beleuchten: Erstens den Stil der Kampagne und die damit verbundene Authentizität, zweitens den Umgang mit Anfeindungen und drittens das Instagram-Tool Manychat. Weiterlesen

Tags: , , ,

Wer schreibt eigentlich heute so die Koalitionsverträge? Die KI!

zdfHeute dazu:

In die Koalitionsverhandlungen war der VKU [Verband Kommunaler Unternehmer; ME] noch auf anderem Wege eingebunden. Teil des fünfköpfigen SPD-Verhandlungsteams zu Klima und Energie war auch der Kieler SPD-Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, der zugleich der Präsident des VKU ist. Kämpfer sagte im Nachgang der Verhandlungen, ein junger Kollege habe sich über einen KI-Chatbot „Formulierungsvorschläge für einen Koalitionsvertrag“ ausgeben lassen.

Momentmoment, noch nicht klatschen! Kommt noch:

Als Grundlage für die Formulierungsvorschläge des Bots hätten E-Mails von Lobbyverbänden gedient. Das sei „beeindruckend“ gewesen und habe „die Arbeit erleichtert“, sagte der SPD-Verhandler der Zeitung des VKU.

Trainingsdaten für die KI lieferten die Emails von Lobbyverbänden. Nicht etwa Emails aus Selbsthilfegruppen von Bürgergeldempfängern oder Zwangsräumungsbetroffenen. Kopfschüttel, und: Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten. Ach nee, das war ja ursprünglich ein Kampfreim der Faschos, wie uns Knarf Rellöm dankenswerterweise erklärt hat.

Aber was den Koalitionsvertrag angeht: Entwarnung. Nicht die KI hat ihn vorformuliert, sondern die Lobbyverbände. Alles wie immer. Nichts neues unter der Sonne. Bitte weitergehen, hier gibt’s nichts zu sehen.

Tags: , ,

Am 25. und 26. Februar 2025 fand die sogenannte Industrial Metaverse Conference im SZ Hochhaus in München statt. Die Konferenz wurde von SV Veranstaltungen organisiert, einem Veranstaltungsunternehmen, das zum selben Medienkonglomerat wie die Süddeutsche Zeitung gehört. Für knapp 1.500 Euro Teilnahmegebühr konnte man an den zwei Tagen Vorträgen und Diskussionen von Vertreter:innen namhafter Industrieunternehmen und wissenschaftlicher Institutionen, wie dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) sowie Siemens, Mercedes-Benz, der Deutschen Bahn, NVIDIA und Bosch, lauschen. Thematisch ging es, wie der Name der Konferenz schon impliziert, um die Anwendungen und Potenziale des Metaverse in der Industrie. Konkret wurden beispielsweise die Möglichkeiten der Effizienzsteigerung und Wettbewerbsfähigkeit von der Produktplanung bis zur Fertigung, aber auch über eine Nutzung des Metaverse im Zeitalter generativer KI diskutiert [1] [2].
Weiterlesen

Tags:

Einleitung

Als netzbasierte Hosting-Plattform für Softwarecode entwickelte sich das 2008 gegründete und zehn Jahre später von Microsoft übernommene GitHub, zu einer der relevantesten Plattformen für die kollaborative Softwareproduktion und Versionenverwaltung von Softwarecode. Als größte Plattform der Branche gilt GitHub als „‚kulturelles Epizentrum‘ für das exponentielle Wachstum der Open Source [Softwareproduktion]“ (O’Neil et al., 2022, 6) (Daigle, 2023; Dohmke, 2023; Elliot, 2021; Kochhar et al., 2021, 1838). Zudem wird GitHub mittlerweile von mehr als 90 % aller ‚Fortune 100‘-Firmen zur Entwicklung ihrer Software genutzt (Build Software Better, Together, o. D.).

Deswegen versuche ich in diesem zweiteiligen Blogeintrag GitHub in den Kontext des digitalen Kapitalismus einzuordnen. Spezifisch gehe ich dabei auf die Herstellung von Software und die Produktion von Mehrwert mittels GitHub und seiner 2021 veröffentlichten Künstlichen Intelligenz GitHub Copilot ein. Die Basis meiner Analyse bilden Karl Marx‘ Mehrwerttheorie, seine Maschinentheorie, sein Konzept des General Intellect und Klaus Dörres Landnahmetheorem. Im ersten Teil widme ich mich der Beschreibung und Analyse von GitHub, während ich mich im zweiten Teil auf GitHub Copilot konzentriere. Weiterlesen

Tags: , , ,

Es soll ja immer noch Leute aus dem emanzipatorisch-fortschrittlichen Lager geben, die die Grünen als Wahloption betrachten. Ja: Gesellschaftspolitisch mögen sie nicht der Feind sein, erledigen diesem jedoch Bärendienste. Wahltaktisch sie sind definitiv der Gegner, denn das Wählerspektrum, um das sie buhlen, überschneidet sich mit dem der Linken. Bei vollem Verstand betrachtet sind sie jedoch nicht wählbar: Grund- und menschenrechtepolitisch dekliniert das dankenswerterweise Markus Reuter am Aufhänger Digitalpolitik durch, unter der Überschrift „Hardliner Habeck im Law-and-Order-Strudel“.

Tags: , ,

Barbara Eder schreibt in der Jungen Welt vom 13.11.24:

Was einst »Maschinenstürmerei« hieß, hat heute negative Konnotationen — in der Praxis des Luddismus schwingt jedoch nicht notwendigerweise die Idee der Fortschrittsfeindlichkeit mit. … Den Ludditen ging es weniger um den physischen Akt des Maschinenzerstörens, sie zielten auf die symbolische Macht dahinter. Einige ihrer legitimen Nachfahren operieren anders: Der Mut zum Maschinensturm ist ihnen gleichbedeutend mit einer Haltung, die alles ablehnt, was auf willkürlichen Beschränkungen technischen Wissens beruht, denn erst durch selbiges lassen sich die letzten Bastionen magischen Denkens [Herv. me] zu Fall bringen. Bis heute macht der Closed-Source-Charakter der meisten kommerziellen Computeranwendungen die Quellcodeeinsicht und damit auch den modifizierten Nachbau unmöglich. Hackerinnen und Hacker setzen im Dahinter an — und tragen damit den trügerischen Schein von schimmernden Oberflächen ab.

Weiterlesen

Tags: ,

Anne Roth, ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin und Referentin für Netzpolitik der Fraktion DieLinke im Bundestag, zitiert die bald ehemalige Bundestagsabgeordnete und -vizepräsidentin Petra Pau aus dem ehemaligen Nachrichtenmagazin auf dem ehemaligen Kurznachrichtendienst, siehe Screenshot rechts.

Dem ist wenig hinzuzufügen. Außer vielleicht ein paar Links, wo sich @DieLinke programmatische Anregungen holen kann, falls sie sich den Rate ihrer scheidenden Abgeordneten zu Herzen nehmen will und ihre gute Arbeit zu diesem Thema (vgl. Digitalisierungspolitik im Wahlprogramm 2021, Aktuelle Programmatik auf der Themenseite Digitalisierung, Plattform der digitalen Parteiarbeitswerkzeuge, ein exemplarisch-guter Beitrag der fürs Thema zuständigen Bundestags-Fachpolitikerin) weiterschreiben und gesellschaftlich einbetten will:

Die RLS fasst Digitalisierung unter „Soziale Infrastrukturen, soziale Rechte und Gerechtigkeit​​​​​​​“ und steuert in ihren Digitalisierungs-Dossiers eher Material und Perspektiven bei. Aber auch das kann ja hilfreich sein, bei der Zuspitzung von Programmatik:

 

Tags: ,

Glückliche Kinder dank TikTok

Habs ja schon immer gesagt und erzeuge damit in Runden auf Parties und in Seminarräumen immer wieder Momente betroffenen Schweigens: Der schon wieder mit seinen haltlosen Extrempositionen. Das Kassandra-Problem: Wer zu früh dran ist mit deutlichen Warnungen, wird für bekloppt erklärt. Nachdem die Kinder in den Brunnen gefallen sind, gibts in der Regel mehr Aufmerksamkeit. Und viel aufzuräumen für Wissenschaftler und Juristen: Wie konnte das bloß passieren? Und besonders wichtig: Wer ist schuld??

Was die Wirkung generativer KI (ChatGPT und Konsorten) angeht, da sind wir wissenschaftlich jetzt weiter. Use it or lose it heißt die Parole, mit der sich gültige Erkenntnisse der Neurologie zusammenfassen lassen: Fähigkeiten, die wir brachliegen lassen, gehen verloren. Tätigkeiten, seien es professionelle oder alltägliche, die wir an smarte Digitalassistent_innen delegieren, werden uns über kurz oder lang als eigene Fähigkeit verkümmern und verloren gehen.

The famous ‘London taxi driver experiments’ found that memorising large maps caused the hippocampus to expand in size. Williams says that the reverse is going to happen if we don’t use our brain and memory to navigate. “Our brains are just like our muscles. We ‘use it or lose it’ – in other words, if we use navigation devices for directions rather than our brains, we will lose that ability.”“ Quelle: Mark Williams, Neuro- und Kognitions-Wissenschaftler

Der Nachwuchs bekommt oft gar nicht mehr das Angebot, zunächst die analogen Fähigkeiten auszubilden – als notwendige Grundlagen für einen selbstbestimmten Gebrauch digitaler Werkzeuge. Wer arbeitet denn heute noch mit Landkarten aus Papier und nimmt sich gar die Zeit (bzw. bekommt die Zeit bezahlt), das Kindern zu erklären? Wischen alle doch viel lieber auf der Navi-App rum. Machen doch alle so. Ist halt so. Kann man nix machen. Die dumm-dreisteren nennen das dann auch noch Digitalkompetenz und schmeißen mit Digitalpakt-Milliarden drauf. Naja, ich schweife ab, zurück zur Wissenschaft. Eine internationale Forschungsgruppe (Cambridge, München, Budapest) hat jetzt herausgefunden: Der Trend zum Wissensverlust gilt angesichts des Einsatzes (generativer) KI nicht nur individuell und für Kinder, sondern auch kollektiv und gesamtgesellschaftlich: Weiterlesen

Tags: , , , , , , ,

Older Posts »