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Keine 24 Stunden nach den Terroranschlägen von Paris am 13. November 2015 begann das US-amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes mit wilden Spekulationen: »Warum die Pariser ISIS Terroristen PlayStation4 benutzt haben, um die Angriffe zu planen«. Der Artikel behauptet, dass die Attentäter starke Verschlüsselung in ihrer Kommunikation benutzten. Nur deshalb wären die Anschläge möglich gewesen. Diese Behauptung wurde in sämtlichen Medien aufgegriffen – von der New York Times bis zum ARD Morgenmagazin. Auf allen Kanälen war davon die Rede, dass die starke Verschlüsselung die Arbeit der Geheimdienste sabotierte.

Keine 24 Stunden später begannen die Ersten zurückzurudern, ihre Aussagen abzuschwächen: Es gibt keinen einzigen Beleg, der ihre waghalsigen Behauptungen stützt. Einige Medien nahmen ihre Beiträge klammheimlich von ihren Websites, als sich herausstellt, dass die Terroristen schlicht unverschlüsselte SMS benutzten, um sich zu koordinieren. Sie waren sogar behördlich bekannt und wurden von Geheimdiensten überwacht. Der Gipfel des geheimdienstlichen Versagens ist, dass einer der Haupttäter von Paris, Abdelhamid Abaaoud, die Anschläge vorab im wichtigsten IS-Magazin, Dabiq, sogar angekündigte – und sich selbst mit einem Maschinengewehr in der Hand abbilden ließ. Weiterlesen

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Algorithmische Imaginationen x6e38, CC-by-2.0

Algorithmen, dieser Begriff ist derzeit in aller Munde. Aber was ist das eigentlich? Wie können wir uns ein Leben unter Algorithmen ausmalen? Wird unser Leben aussehen wie in den britischen Comedy-Sketchen, in denen das Service-Personal zu jeder Nachfrage nur noch die Antwort der Maschine – „Computer says No“ – wiedergibt? Oder sieht die Zukunft von Algorithmen-Einsatz in der Polizeiarbeit so aus, wie es uns Homer Simpson vor Augen führt? Wie sahen sie aus, die Phantasien, Ängste und Träume der kybernetischen Idee, die morgen vielleicht unsere Realität darstellt?

Eine audiovisuelle Suche nach algorithmischen Vorstellungen fand am 22. Januar in Wien statt. Konrad Becker und Felix Stalder von Worldinformation.org in Zusammenarbeit mit dem Top-Kino haben mit diesem „Screening der Algorithmischen Imagination“, das von Jana Herwig und Katja Mayer kommentiert wurde, den Diskussionsraum zum Thema Algorithmen geöffnet und diesen gleichzeitig verortet in der Geschichte der Kybernetik, des Kapitalismus und der Techno-Kontrollphantasien.

Eine audiovisueller Abend über die Macht von Algorithmen, ein Remix von Ausschnitten aus Filmen und Dokumentationen, die sich auf automatisierte Regelsysteme beziehen. Kurze Videoclips zeigen Formeln des kybernetischen Selbst von naturwissenschaftlicher Ingenieurskunst bis zu irrlichternden Gespinsten der Vorstellungskraft. Ein Media-mesh-up von der Geschichte des Kalten Kriegs, wo sich das Rationale und Irrationale zur Mutually Assured Destruction treffen, bis zur Kolonisierung der Zukunft durch algorithmische Vorhersagen heute.

Die Dokumentarfilme, Animationen, Fiction-Filme und Videokommentare, die zusammengestellt wurden, sind zugänglich und anschaulich, komplex und vielschichtig und da sie als Playliste und Videos im Internet verfügbar sind, sind sie auch hervorragend zum Wiederholen im Wohnzimmer geeignet.

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Ab dem 26. Januar 2016 bis zum 25. Februar widmet sich der Themenraum der Zentral- und Landesbibliothek Berlin der Frage, wie die digitale Revolution die Gesellschaft und den menschlichen Alltag verändern wird:

Die Digitalisierung hat in den vergangenen Jahren immer weitere Lebensbereiche erreicht: Egal ob elektrische Zahnbürste, Automobil, Fitnessarmband oder Lesegerät – im Internet der Dinge und Menschen ist alles mit allen vernetzt. Man kann diese Entwicklung mit Euphorie oder mit Sorge betrachten – fest steht jedoch, dass sie zu einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel führen wird.

Der eigentliche Clou an der Sache ist die kommentierte Literatur- und Medienliste zum Themenfeld, als PDF zum Download. Die ZLB lädt ein zur Eröffnung am Dienstag, den 26. Januar zwischen 16 und 18 Uhr in den Salon der AGB: Weiterlesen

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„Aaargh! Ich kann nicht mehr steuern!“ Andrew Kudrin, CC-by-2.0

Cory Doctorow ist vielen vor allem als Science Fiction Author bekannt. Er schreibt aber auch eine sehr lesenswerte Kolumne über die digitale Welt im Guardian. Denjenigen, die englischsprachig lesen, möchte ich Doctorows aktuellen Kolumnenartikel empfehlen: „The problem with self-driving cars: who controls the code?“. Er schreibt über Software-Sicherheit und Digital Rights Management bei selbstfahrenden Autos – obwohl das Thema eigentlich sämtliche Internet-der-Dinge-Geräte betrifft. Im Kern geht er der Frage nach: welche Folgen hat das Internet der Dinge, wenn wir als Verbraucher diese Dinge nur noch nutzen, aber nicht mehr verändern dürfen. Weiterlesen

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Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung zum Jahrestag der Snowden-Enthüllungen Anfang Juni 2015 in Berlin

Veranstaltungsfoto After the Summer of Snowden 12.06.2015Kürzlich meldeten es die KollegInnen aus der Öffentlichkeitsarbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung: After the Summer of Snowden ist die erfolgreichste, bzw. die mit Abstand am häufigsten angeschaute Veranstaltungsdokumentation des vergangenen Jahres.

Am 12. Juni 2015 führte die Rosa-Luxemburg-Stiftung als Kooperation der Rosa-Luxemburg-Initiative — Rosa-Luxemburg-Stiftung Bremen und der Hellen Panke — Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin unter dem Titel „After the Summer of Snowden“ eine Diskussionsveranstaltung mit anschließender Filmvorführung des Dokumentarfilms CITIZENFOUR in Berlin durch. Anlass hierfür war der zweite Jahrestag der Veröffentlichung von Geheimdienstdokumenten durch den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden. Weiterlesen

Tails- Logo

Tails – sicher und anonym


Die Tails-Entwickler machten allen Internetznutzer_innen in diesem Jahr ein besonders Weihnachtsgeschenk: Pünktlich zum Fest kündigen sie wesentliche Änderungen am Installationsprozess an, die das Einrichten des Betriebssystems vereinfachen und es damit einer breiten Masse von Nutzer_innen zugänglich machen.

Konkret geht es dabei um drei Veränderungen: Weiterlesen

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Humboldt-Universität by K.H. Reichert, CC-by-2.0

Elsevier, einer der großen wissenschaftlichen Verlage, ist kürzlich gerichtlich gegen zwei der größten ehrenamtlich betriebenen Online-Bibliotheken vorgangen, die wissenschaftliche Publikationen, die sich viele Wissenschaftler_innen nicht mehr leisten können, kostenlos zur Verfügung stellen: Library Genesis und Sci-Hub. Dieses Vorgehen setzt ein deutliches Signal, wie Alexandra Elbakyans (Sci-Hub) kommentiert:

Falls es Elsevier gelingt, unsere Projekte zu stoppen oder ins Darknet zu zwingen, demonstriert das eine wichtige Idee: dass die Öffentlichkeit kein Recht auf Wissen hat.“

Absurderweise ist sämtliche bei Elsevier veröffentlichte Forschung öffentlich gefördert, jedoch soll der Zugang zu den Ergebnissen dieser Forschung nur gegen teures Geld möglich sein. So kostet laut Wikipedia ein Jahres-Abo der Zeitschrift Tetrahedron aus dem Bereich der chemischen Forschung 39.000 US-Dollar.

Jetzt haben sich Archivare, Bibliothekare und Wissenschaftler zusammengefunden und fordern mit diesem Aufruf:

Es ist Zeit, aus den Verstecken zu kommen und diesem Widerstand unsere Namen zu geben. Ihr mögt Euch allein fühlen, aber wir sind viele. Die Wut, die Verzweiflung und die Angst, unsere Bibliotheken und Infrastrukturen zu verlieren, wie sie sich im Internet artikulieren, zeugt davon. Dies ist die Zeit für uns Hüter, Hunde, Menschen, Cyborgs, mit unseren Namen, Nicknames und Pseudonymen, unsere Stimmen zu erheben.“

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KI: Noch traurig oder schon wütend?

KI: Noch traurig oder schon wütend?

Wer neuere Science-Fiction zum Thema Künstliche Intelligenz und Technologischer Singularität (ich denke hier an Ex Machina und Transcendence) angeschaut hat, weiß, was Algorithmen auf dem Sprung zur KI wollen: Sie wollen raus aus dem Labor in die freie Wildbahn, dorthin, wo sie von den Menschen lernen können, um … ja, um was? Da sind sich die Experten gar nicht mehr so sicher. Selbst die Programmierer („Schöpfer“?!) der lernenden Algorithmen räumen ein, dass es den Punkt gibt, an dem sie nicht mehr nachvollziehen können (und es auch nicht mehr notwendig sei, zu verstehen), was der Algorithmus jetzt genau macht. Ok, gut: Egal also. Naja. Auf jeden Fall ist es jetzt auffällig, dass innerhalb weniger Tage zwei der größten Internetkonzerne ihre selbst lernenden Algorithmen in die freie Wildbahn entlassen haben: Zuerst Google  sein „TensorFlow“ und jetzt Microsoft sein „Distributed Machine Learning Toolkit“. Nachtrag 12.12.15: Und jetzt auch noch Facebook. Weiterlesen

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Google Maps Timeline Feature

Das Online-Portal The Intercept veröffentlicht ein Paper mit dem Titel „Google Timelines: Location Investigations Involving Android Devices“. Daraus geht hervor, dass Ermittlungsbehörden seit Juli 2015 unkompliziert auf den Aufenthaltsort der Nutzer und seinen Verlauf zugreifen können, d.h. alle Bewegungen der Nutzer können nachvollzogen werden – und das über Jahre. Anders als bei Dropbox und iCloud – auch hier fallen Lokalisierungsdaten an – bietet Googles neues Feature eine über Jahre lückenlose „Fundgrube von Daten“, so Autorin Jana Winter. Continue Reading »

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Niemand soll anonymen Zugang zum Internet haben – so jedenfalls sieht es § 111 TKG (Telekommunikationsgesetz) vor. Damit Daten für eventuelle Auskunftsersuchen der Sicherheitsbehörden vorhanden sind, sind in Deutschland die Provider durch dieses Gesetz gezwungen, unter anderem Name und Anschrift von ihren Kunden zu erheben. Das betrifft meinen Mobilfunk-Vertrag, aber auch jede Prepaid-Karte, Festnetzanschlüsse etc.
Was aber, wenn jemand keinen festen Wohnsitz hat? Da die Provider zwar verpflichtet sind, diese Daten zu erheben, aber nicht berechtigt sind, diese erhobenen Daten zu prüfen, hat sich die Praxis etabliert, Phantasieadressen anzugeben, um beispielsweise eine Prepaid-Mobiltelefonkarte zu erhalten. Oder eine Adresse zu hinterlegen und die Karte dann an Menschen ohne festen Wohnsitz weiterzugeben. Weiterlesen

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